Sühne
- Gerhard Zauner

- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit

Es ist alles viel interessanter, wenn sich die Leute irren.
Der Kreuzstein ist ein Ort von dem es einige Geschichten gibt.
Genug, um ein dickes Buch zu machen.
Geschichten vom Kreuzstein, die ich schon veröffentlicht habe:
Hallstätterblumen. Von Ludmilla Nowak
Mehrere Sagen, die Kreuzsteinsage ist auch dabei.
Im Echern Von Susi Wallner
Fridl Zenz erzählt die Sage von den wilden Jungfrauen.
Das Felsengärtlein im Echothale beim Hallstätter See. VonJ. H. Waldschütz.
Wie die Hütte am Kreuzstein entstand.
Die Mär von Kreuzstein. Von Susi Wallner
Der Kreuzstein wurde durch einen Blitz gespalten.
Hallstatt. Ein oberösterreichischer Salinenort. Von F.Simony
Ohne Almstrauß kehrt kein Bursche vom Gebirge nach Hause, denn Blumen sind ein gar beliebter Artikel bei Jung und Alt, und sie erfreuen sich auch in den wenigen Duodezgärtchen des Ortes, wie in den Fenstern der Häuser einer sorgsamen Pflege.
Eines der eigentümlichsten Gärtlein, welches der poetische Sinn seines einstigen Besitzers, des bekannten Dachsteinführers Loidl, geschaffen, fällt jedem Besucher des Waldbachstrubs auf dem Wege durch das Echerntal auf. Dort findet sich, mitten unter wild übereinander gestürzten Felstrümmern ein riesiger, würfelartig gestalteter Block, der Kreuzstein genannt. Ein schmaler, mehrfach gestützter Steg führt auf seinen Rücken hinauf. Oben steht ein aus Baumrinde erbautes Häuschen inmitten eines bunten Gemenges von Kohlbüschen und den zierlichsten, aus fernen Höhen zusammengetragenen Alpenpflanzen, unter welchen die weißfilzigen Dolden des Edelweiß vor allen hervorleuchten.
Das folgende Gedicht ist aus einer Sage vom Kreuzstein entstanden. Es fehlen leider die wilden Jungfrauen.
Aus dem "Münchener Album" Herausgegeben von Dr. Fr. Graf Pocci.
Sühne.
Bei Hallstatt, wo der Salzberg auf sich bäumt
Und wild in's Tal der Waldbach niederschäumt,
Auf unwegsam verworrner Klippen Rand
Erhebt sich eine turmhoch steile Wand.
D'ran einst ein armer Holzknecht klomm empor,
Der in der Wildnis seinen Pfad verlor
Und weiter stets, — nicht konnt' er mehr zurück,
Von Kluft zu Kluft hinankroch auf gut Glück.
Doch mehr und mehr die Wand, vom Regen glatt,
Und mehr und mehr der arme Holzknecht matt
Und immer gräßlicher sich zeigt die Not,
Hinauf und rückwärts, — um und neben — Tod!
Hin in den Abgrund wirft er seine Schuh
Und klimmt auf blanken Sohlen immer zu
Und mit dem Messer schlitzt er sich die Haut,
Damit sein Blut den glatten Fels bethaut.
Doch eine Klippe hat er jetzt erreicht,
Wo sich die schwindle Bahn zu Ende zeigt,
Wo klafterlang der Felsen springt bervor,
Nicht eine Gemse kröche dran empor.
Da steht er nun auf einer Spanne Raum,
Nicht mächtig eines Schritts, ja aufrecht kaum,
Und jede kleinste Wendung führt hinab
In's unerbittlich schaudervolle Grab. —
Doch aus dem Tal hat man die Not gesehn
Und winkt hinauf dem Armen: still zu stehn,
Und türmet Leitern auf, so viel man kann,
Umsonst! kein Zehnteil reichen sie hinan.
Nun wird die Wand erklimmt am hintern Teil
Hinabgelassen Seil, gefügt an Seil;
Umsonst! so fern ihm hängt es, dass kein Mann,
Auch mit zehn Armen nicht, es fassen kann.
So ist denn keine Hülfe dieser Not,
Kein Weg als — in den grausenvollen Tod!
Auf dass jedoch die Seel errettet sei
Mit der Monstranz der Priester eilt herbei.
Und bebt empor zu ihm das Sakrament;
Doch jener ruft, da er den Kelch erkennt:
„Hand Gottes, wie den Freund ich stürzt' binab,
Du mich!!“ und stürzt zerschellt in's Felsengrab.



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