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Familie Bergmann

Aktualisiert: 24. Apr.

Die jüngere evangelische Geschichte von Hallstatt.

An der Halstätter evangelischen Kirche befindet sich eine Gedenktafel, die am Sonntag, 30. April 2023 feierlich enthüllt wurde. Sie gedenkt an die Geschichte von Else Bergmann und ihrer Familie. Auf dieser Tafel steht folgender Text:

Else Bergmann, die Ehefrau des evangelischen Pfarrers von Hallstatt, Hellmuth Bergmann, war nach Nationalsozialistischer Definition „Volljüdin“ Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen und eine erste Welle massiver Ausgrenzung und Unterdrückung stattfand, beschloss die Familie 1934, nach Hallstatt zu übersiedeln.


Doch auch hier waren Else und die gemeinsamen Kinder nicht wirklich sicher. Mit dem „Anschluss“ 1938 begann die Ausgrenzung erneut. Die Ehe mit einem „Arier“ schützte Else und die Kinder anfangs vor Verfolgung, doch die antisemitischen Anfeindungen und Gesetze nahmen zu. Die Familie wurde aus dem Öffentlichen und sozialen Leben ausgeschlossen. Unter anderem mussten die älteren Kinder das Gymnasium verlassen. Die Familie lebte äußerst bescheiden und versuchte, weil sie auch weniger Lebensmittelzuteilungen erhielt, über die Runden zu kommen.

Im Februar 1945 erging an alle Gendarmerieposten der Gestapo-Befehl, die in „Mischehen“ lebenden Jüdinnen zu verhaften und nach Linz zu überstellen. Else Bergmann sollte, wie Frau Mühlbacher und Frau Wagner aus Bad Ischl, ebenfalls verhaftet werden. Doch der Ortsgendarm ermöglichte ihr, ihre letzte Nacht noch zuhause zu verbringen, um sich von der Familie zu verabschieden. Else Bergmann nutzte die Gelegenheit und täuschte ihren Selbstmord im Hallstättersee vor. Selbst die jüngeren zwei Kinder wurden im Glauben gelassen, die Mutter sei tot.


Else Bergmann nahm die Identität ihrer Schwester an, die bereits 1933 Selbstmord verübt hatte, nachdem sie im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihren Posten als Krankenschwester verloren hatte. Mit den Papieren ihrer Schwester, die noch ohne „J“ (für Jude) gekennzeichnet waren und in ihrer Krankenschwestern-Tracht (Else Bergmann war früher selbst einmal Rot-Kreuz-Krankenschwester) fuhr sie mit dem ersten Zug von Steeg nach Attnang Puchheim und weiter nach Bayern. In Passau meldete sie sich im Städtischen Krankenhaus und arbeitete dort nicht „versteckt“ sondern mit falscher Identität vom 12 Februar 1945 bis Kriegsende als Pflegerin. Am 21. Mai 1945 brachte sie ein Jeep der US-Army nach Hallstatt zu ihrer Familie zurück.


Einige Jahre nach dem Krieg wanderten ihre Kinder in die USA aus und Else Bergmann folgte ihnen Anfang der 1950er Jahre. Sie starb 1974 in den USA. Ihre Urne wurde an den Hallstättersee gebracht und am kleinen evangelischen Friedhof in Obertraun beigesetzt.



Die Initiative für diese Gedenktafel entstand im Rahmen des Projektes „Vielschichtige Geschichte(n)“ der Künstlerin Teresa Distelberger zum Festival der Regionen und ist eine Kooperation mit dem Kulturverein kunterbunt KulturBunt Hallstatt und dem Zeitgeschichte Museum Ebensee, finanziert durch die evangelische Pfarrgemeinde Hallstatt und der Marktgemeinde Hallstatt.

Die Lesung des Romanes "Kaminsky-Taktik".

Im Roman „Die Kaminsky Taktik“ von Christopher New, dem Schwiegersohn der Bergmanns, wird diese Geschichte auch erzählt.



Ein paar Daten und Seiten der Evangelischen Kirche in Österreich.

Hier ist die Seite der Evangelischen Kirche in Österreich.


Von "Evangelisch in Österreich": Wir über uns.

3% der Österreicher*innen bekennen sich zum evangelischen Glauben (ca. 300.000).

Prozentuell ist der Bevölkerungsanteil der Evangelischen im Burgenland mit 10,5 Prozent am höchsten. Evangelische Zentren befinden sich auch in Kärnten und Oberösterreich. Absolut gesehen leben mit knapp 45.000 Menschen am meisten Evangelische im Bundesland Oberösterreich.


Das Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich erscheint seit dem Jahr 1880. Hier online.

Ich suche immer so darin. - SUCHE


In diesen Büchern findet man wirklich interessante Informationen, z.B. über die Rolle der evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus.


Eine wichtige Persönlichkeit war Pfarrer Dr. Hans Eder aus Gosau, der in dieser Zeit zum Bischof aufgestiegen ist. Die Nazis haben das Amt des Bischofs in der evangelischen Kirche erst eingeführt.

Hier im Jahrbuch "Die Lebensgeschichte des Bischofs Dr. Hans Eder, von ihm selbst erzählt."


Foto: Wikipedia
Foto: Wikipedia

Im Jahr 2008 erschien dieser Text im Jahrbuch:


Bejahung- Ernüchterung- Verweigerung:

Die Evangelische Kirche in Österreich und der Nationalsozialismus. Von Karl W. Schwarz

Diese drei Wörter beziehen sich ganz besonders auf Bischof Eder. Hier werden die Tagebücher von Eder ausgewertet.


Auf dieser ANNO-Seite ist ein Pfeil rechts oben, wo steht "Hauptteil S. 18" , das ist der Knopf zum umblättern.


Hier noch die Seite vom Evangelischen Museum Oberösterreich über Bischof Eder.


Im Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich wurde leider bisher nicht so viel über die Zeitgeschichte von Hallstatt berichtet.

Vier Jahre, zwischen 1929 und anfang 1934 war Ludwig Fehler evangelischer Pfarrer in Hallstatt.

Er schreibt in der (Linzer) Tages Post (8. August 1933) folgendes:

Fürs Zweite wissen die roten Herren sehr wohl, daß sie bei einem Umschwung in Österreich vielleicht in einem Konzentrationslager zum erstenmal in ihrem Leben wirklich arbeiten müßten, und davor haben sie Angst.


Fehler war auch einer der führenden Nazis in Hallstatt und war der Meinung:


1933 hat die Ge­meindevorstehung Hallstatt eine Beschwerde gegen den Pfarrer gerichtet und die Anklage gegen ihn auf Hochverrat und den Antrag auf Amtsenthebung gestellt.

Diesen Prozess hat aber Pfarrer Fehler gewonnen. Er war aber dann bald weg.

1934 setzte er sich noch in der Alpenländische Morgen Zeitung 22. Februar 1934, zusammen mit den katholischen Pfarrer Johannes Ude aus Grundlsee, für Frieden nach den Februarkämpfen ein. Wo er noch den Arbeitsort Hallstatt angibt.


Foto Wikipedia

Hier ist die Galerie der Pfarrer in der ev. Christuskirche Hallstatt. Am zweiten Bild von links ist der Fehler.


Auf diesem PDF sind ganz viele Zeitungsartikel zu dieser Person.


Durch die Weltwirtschafskrise von 1929 herrschte noch große Not. Die Politik radikalisierte sich.

Was tat sich ab 1933 in Deutschland?

1933 wurde Hitler zum deutschen Kanzler ernannt und das Land wurde innerhalb kürzester Zeit zur Diktatur. Gleichgeschaltet wurden auch die Kirchen. Bei der evangelischen Kirche ging es anfangs besonders leicht. Die Bewegung der deutschen Christen wird immer einflussreicher, sie wollen, dass die Ideen der Nazis auch in der Kirche gelten. Pfarrer mit jüdischen Wurzeln wurden aus der Kirche ausgeschlossen. Um die Unabhängigkeit der ev. Kirche zu wahren, wurde 1933 der Pfarrernotbund von Martin Niemöller und 1934 die Bekennende Kirche gegründet.


Wegen Konflikte zwischenden deutschen Cristen und bekennenden Christen, wird die Zeit bis zum Beginn des 2. Weltkriegs 1939, kirchengeschichtlich auch Kirchenkampf genannt.

Martin Niemöller zählt zu den prominentesten Vertretern der „Bekennenden Kirche“ im Dritten Reich. Aber auch in der jungen Bundesrepublik ergriff er in politischen Debatten das Wort.

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

– Martin Niemöller



Dietrich Bonhoeffer war ein Vertreter der bekennenden Kirche und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.



Die Salzkammergutzeitung wurde 1885 gegründet um gegen den Protestantismus und Sozialismus zu agieren. Sie war sehr katholisch und ab 1934 ein Organ des Austrofaschismus.

Volkszählung. 
Wenn man es auch oft gar nicht merkt, weil wir es uns nicht bewußt sind, die ver­gangene Volkszählung der Ge­meinde Hallstatt sagt es ganz klar, daß die Katholiken Hallstatts in der Mehrheit sind. Das Ergebnis nach Konfessionen geordnet, war fol­gendes: 
Römisch-katholisch 1035, griechisch-katholisch 1, evangelisch 364, mosaisch 1, konfessionslos 11. 
Männlich 679, weiblich 733. 
Im ganzen 1412 Personen.

1935 kam die Familie Bergmann nach Hallstatt.


Die Familie Bergmann bestand aus Else und Hellmuth Bergmann und ihren Kindern Ingeborg, Wilfried, Frithjof, Christa und Klaus .

Ingeborg, Wilfried und Frithjof waren bereits geboren. 
Christa kam 1935 und Klaus 1936 in Hallstatt auf die Welt.

Von 1935 bis 1955 war Hellmuth Bergmann Pfarrer in Hallstatt.

Amtseinführung.

Sonntag den 27. Jänner fand die offizielle Amtseinführung des evangelischen Pfarrers Herrn Hellmuth Berg­mann durch Senior Herrn Doktor Hans Eder aus Gosau statt.

Um 8.30 Uhr war vom evang. Pfarrhause aus gemeinsamer Festzug in die Kirche. Teilgenommen haben die behördlichen Organe von Saline, Fachschule und den beiden politischen Gemeinden Hallstatt und Obertraun, das Presbyterium der evang. Kirche, Administrator Herr Neumayer von Goisern und Herr Pfarrer Schuhmann von Bad Ischl. Auch aus Obertraun hatten sich viele Angehörige der evang. Kirche zur schönen Feier eingefun­den. Das Festmahl wurde im Kon­sumvereins-Gasthaus eingenom­men.


Hallstatt. (Die evangelische Pfarrgemeinde) feierte am 3. Juli und 1. August ihren hundertjährigen Bestand. Der Markt war festlich beflaggt. Altsuperintendent Koch aus Wal­lern schilderte in seiner Festrede die Geschichte der evangelischen Pfarrgemeinde Hallstatt. Am Sonntag strömten aus allen Richtun­gen massenhaft Festteilnehmer herbei. Um 8.46 Uhr bewegte sich der Festzug vom evangelischen Pfarrhof zur evangelischen Christuskirche unter den Marschklägen der Salinenmusikkapelle Hallstatt. Die Kirche konnte die vielen Menschen kaum fassen.

Die Festpredigt hielt Super­intendent Dr. Hans Eder-Gosau. Nach dem Festgottesdienst fand eine Totengedächtnisfeier am Grabe der beiden Pfarrer Konrad Lud­wig von Sattler, des Begründers der evangelischen Pfarre Hallstatt, und dessen erst vor vier Jahren verstorbenen Sohn und Amtsnach­folgers Friedrich von Sattler statt. Pfarrer Bergmann widmete den entschlafenen Pfarrherren Worte treuen Gedenkens, Kurator Eder legte einen Kranz aus Alpenblumen an den Gräbern nieder. Ein Gebet beschloß die Andacht.



SA-Aufmarsch im März 1938, Foto Sepp Zauner (Pfeil).
SA-Aufmarsch im März 1938, Foto Sepp Zauner (Pfeil).
Im März 1938 war der Anschluss an das Deutsche Reich.

Schon in der Nacht vom 11. März begannen die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Österreich.

In Hallstatt:

Die Liegenschaft von Alfred Eichmann, alias Alfred G. Eyck, in Hallstatt 16 wurde arisiert.


Am 5.Juni 1938, Maria Gamsjäger, Wirtin des Gasthauses "Zum Dachstein" in der Wolfengasse hatten einen halbjüdischen Sohn, Erwin Lackner. Die Familie wurde vertrieben.


Am 4. August wurde der Judenakt von Sepp Höplinger unterzeichnet. (Ortsgruppenleiter und Bürgermeister in der Anfangszeit, später nur mehr Ortsgruppenleiter).



Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in
Österreich: Hauptteil 2003  
18. April 1938 
Am Ostermontag 1938 musste in allen evangelischen Kirchen ein Dankgottesdienst abgehalten werden. Dazu hatten die Kirchen mit Hakenkreuzfahnen beflaggt zu werden, die traditionelle evangelische Kirchenfahne (weiß mit lila Kreuz) durfte nicht aufgezogen werden (ihre Verwendung wurde dann im Oktober 1938 endgültig verboten). Der Gottesdienst hatte mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessellied zu schließen.
Als die Verkörperung des "Volksganzen" wurde der "Führer" dargestellt. In ihm vereinen sich gottähnliche Züge mit dem Bild des "volksnahen" Politikers und des heilsmächtigen Volkskönigs.

Christliche Feiertage wurden durch den „Tag der Machtergreifung“ am 30. Januar, Erster Mai, Sommersonnenwende, Reichsparteitag, Reichserntedankfest und Wintersonnenwende ersetzt.


Aus der Schulchronik der Volksschule Hallstatt. Aus dem OÖLandesarchiv.

3. 10. 1938: Die zweite Großtat unseres Führers in einem Jahr. Die Sudetendeutschen Brüder und Schwestern kommen Heim ins Reich. Wir fühlen mit den nun heimgekehrten die Größe dieses Augenblickes und erkennen erneut, was uns unser Herrgott in unserem Führer gab.


In der Schule wurden die Kinder schon für den Krieg vorbereitet.

Schulchronik 9.11.1938. Zum Erstenmale nahm die Ostmark an der Gedenkfeier für die ersten Blutzeugen der Bewegung teil. Schüler und Lehrer versammelten sich zu einer kurzen, schlichten Feier im Kassenzimmer. Der Lehrer sprach über die geschichtlichen Ereignisse am 9. November 1933 und schloß mit dem Appell an alle Schüler alle persönlichen Eigennutz zurückzustellen und nur für unser gemeinsames Vaterland „Großdeutschland" zu arbeiten und kämpfen.

Dezember 1938

Laut Weisung der Schulbehörden sind Weinachtsbescherungen in den Schulen nicht mehr gestattet.


Das meiste, in der Schulchronik Hallstatt, hat Oberlehrer Mayrhofer verfasst.


Am 1. Mai 1939 wurde der Kirchenbeitrag eingeführt.

15. Jänner 1940 Schulchronik Hallstatt

Den evangelischen Religionsunterricht übernimmt der Pfarrer von Bad Aussee (1. bis 3. Stufe: 1 Stunde und 4.- 8. Stufe) auch eine Stunde in der Woche.

Bei dieser Gelegenheit sei die Tatsache vermerkt, dass nun, wo die Geistlichkeit für die

„Unterrichts“-Stunden nicht mehr bezahlt wird, das Interesse daran beinahe auf den Nullpunkt

gesunken ist. Es wäre in Interesse der Schule gelegen – von weltanschaulichen gar nicht zu reden – dass dieser „Unterricht“ aus den öffentlichen Schulen verschwände. Die Geistlichen sind froh, wenn sie keine unbezahlten Arbeiten machen brauchen, die Kinder sind glücklich, wenn sie sich das Zeug nicht anhören brauchen und die Lehrer brauchen keine Beeinträchtigung der Disziplin mehr zu fürchten. Wann wird die Schule von Konfessionalismus christlicher Prägung mit seiner jüdischmittelalterlichen Anschauungswelt ganz befreit werden?


Am 9. April greifen die Deutschen Dänemark und Norwegen an.

Am 10. Mai begann der Überfall auf Frankreich, Niederlande, Belgien und Luxemburg.

Schulchronik Hallstatt aus dem OÖLA

10. Mai 1940 und die folgenden Monate!

Die große Offensive Deutschlands gegen Nordfrankreich – über Holland, Belgien und Luxemburg, beginnt, von allen Leuten, auch von den Schulkindern, mit größter Spannung verfolgt.

Wichtige Rundfunknachrichten wurden im Gemeinschaftsempfang von der ganzen Schule abgehört. Wenn die Kleinen der unteren Klassen auch nicht viel verstehen mögen von den Einzelheiten, da ihnen die geographischen und geschichtlichen Vorkenntnisse fehlen, so wird doch ein gewisser Eindruck hervorgerufen durch die seelische Gespanntheit der Lehrer und größeren Kinder und durch den wirkungsvollen Rahmen der Übermittlung im Rundfunk – Fanfaren, Kampflieder – so dass ihnen möglicherweise ein Eindruck für das spätere Leben als bleibende Erinnerung zurückbleiben dürfte.

Die bedeutende Musikalität der Hallstätter, auch der Kinder, bewirkte, dass ihnen in kürzester Zeit die Kampflieder geläufig wurden. Man braucht nur sagen: „Denn wir fahren....“, so singen sie sofort den Kehrreim des Englandliedes: „...den wir fahren, denn wir fahren gegen Engelland!“ (Propagandawirkung!)


 In der Zeitschrift Toleranz vom evangelischen Museum Oberösterreich wurde der Briefwechsel  zwischen Pfarrer Hellmuth Bergmann aus Hallstatt und Superintendent Wilhelm Mensing-Braun aus Linz in den Jahren 1942 - 1955 veröffentlicht.
Aus dem Briefwechsel: Bergmann an Mensing-Braun, 21. November 1941 geht hervor: Bürgermeister Binder verlangte, dass Frau Bergmann den Judenstern tragen muss. Bergmann verteidigte sich und Else musste den Stern nicht tragen.

In einem weiteren Brief vom 13. Juni 1942 schrieb Bergmann über den Besuch einer Sammelwohnung in Wien. Von Sammelwohnungen aus, wurden Juden und Jüdinnen in die KZ's gebracht.


Bergmann an Mensing-Braun, 4.August 1942

Nach seinem Wienbesuch befürchtet Bergmann für seine Frau Else und den Kindern schlimmes.

Weitere Briefe zeigen wie er versucht den Schulbesuch der Kinder zu ermöglichen, da Juden vom Schulbesuch ausgeschlossen waren.
Er schreibt auch von Krankheiten der Kinder und Else, die zur Bestrahlung ins Krankenhaus musste.

Hier die einzige Spur der Familie Bergmann, die ich in Zeitungen gefunden habe.

Stellen-Gesuche Männlich

Oberschüler mit 6 Klassen sucht Ausbildung zum technischen Zeichner.

Nähere Angebote an Bergmann, Hallstatt, Oberdonau 167

(Das evangelische Pfarramt hat die Hausnr.: 167)


Einspruch des OKR

OKR Dr. Liptak an den Herrn Landesrat des Landkreises Gmunden, 28.10.1944

In diesem Einspruch wird Bergmann davor bewahrt in den Krieg zu ziehen.


Nach dem Krieg setzte sich Pfarrer Bergmann sehr für den Frieden ein.

Die Tochter Ingeborg erkrankt an Multiple Sklerose. Sie stirbt mit 32 Jahren 1957 in Boston.


Frohnleichnam 1949 gab es einen Skandal, weil der evangelische Pfarrer Bergmann am See war.


„Die letzte Etappe" war der erste KZ-Film.


„Die letzte Etappe" in Bad Ischl Am 28. August wurde im Lehar-Theater (Bad Ischl) eine gut besuchte Aufführung des Films ,,Die letzte Etappe" abgehalten, der eine Begrüßungsansprache der Kameraden Pr. Artur Prxyborski aus Wien und Pfarrer Hellmuth Bergmann aus Hallstatt voranging. ,,Als überzeugter Christ und Katholik**, so erklärte Dt. Przyüborski, ,.betone ich, daß uns nicht Rache bewegt, das Vergangene nicht zu vergessen, sondern, daß wir uns nur vor einer Wiederholung des verbrecherischen Wahn­sinns schützen wollen.**

Die Ausführungen Pfarrer Bergmanns gipfelten In der Feststellung, daß Österreich niemals wird leben können, wenn die Erkenntnisse, die die politisch Verfolgten sammelten, verlorengingen.


Der kirchliche Einspruch gegen die Mitarbeit in Friedensrat und KZ-Verband. Wegen der Überparteilichkeit der Kirche war das Engagement Bergmanns beim Kirchenrat unerwünscht.

Friedensrat im Salzkammergut

Eine Reihe bekannter Persönlichkeiten aus Ischl und anderen Orten des oberösterreichischen Salzkammergutes haben einen Friedensrat gebildet, der es sich zum Ziel setzt‚ alle Friedenskämpfer des ‚oberen Salzkammergutes zu erfassen. Dem Friedensrat gehören an:Prof. Sarneck, Pfarrer Bergmann, der Buchsachverständige Dr. Schönfeld, der Komponist Joseph Ramsauer‚ Redakteur Fritz Wintermaier‚ der Leiter des Ischler- KZ-Verbandes Stadler und der bekannte Freiheitskämpfer Sepp Plieseis.Dies ist der vierte Ortsfriedensrat, der in Oberösterreich entstanden ist.

Bekanntlich bestehen Friedensräte bereits in Linz, Steyr und Kremstal. Alle diese Friedensräte arbeiten vollkommen überparteilich und weisen in ihrer Zusammensetzung ein Bild wahrer Demokratie.


Bergmann an den Superintendentialausschuss, 14.6.1950

Ich möchte diesen Brief einfach im Original zitieren, weil er viel über das Denken Bergmanns aussagt: Er wurde, als er bereits im Zug nach Hallstatt saß, in Ischl zum Friedensrat-Obmann Stellvertreter gewählt. Ein kurzer Ausschnitt:


Ich nahm nach ernster gewissenhafter Überlegung die Stelle an, da ich glaubte, es sei gut und notwendig, dass Vertreter der Kirche auch einmal in einem solchen Kreis die Stellung der Kirche zur Geltung bringen. Aus dem gleichen Grunde nahm ich auch die an mich herangebrachte Aufforderung an, bei den Vorführungen des KZfilmes „Die letzte Etappe“ zu sprechen und sprach in Bad Ischl, Bad Aussee und in Ebensee. Besonders bei der letzten Veranstaltung konnte ich meinem Gefühl nach zu vielen Menschen sprechen, die schwerlich noch in eine Kirche kommen oder in der Bibel lesen. Dass ich bei meinen Worten mich jeder parteipolitischen Stellungnahme enthielt, sondern nur von christlich sittlichem Standpunkt aus Stellung nahm, mögen die beigefügten Konzepte beweisen.

Schliesslich sprach ich noch am Gedächtnismal auf dem Friedhof in Bad Ischl für die im Krankenhaus verstorbenen KZler. Auch hier beachtete ich die gleichen Grundsätze, wie das Konzept meiner Ansprache beweisen mag.

Weiter Hinten in dieser Stellungnahme:

Davon bleibt es natürlich unberührt, dass ich auch weiterhin meinem christlichen Gewissen folgend für die Erhaltung des Friedens im Sinne der Beschlüsse der Amsterdamer Kirchenkonferenz und der anderen kirchlichen Verlautbarungen eintreten und kämpfen werde, da ich der Ansicht bin, dass ein Christ nicht nur gegen die Erzeugung von Atomwaffen oder Bakterienbomben, die ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellen, sein muss, sondern überhaupt gegen jeden Krieg. Ich bin für Verständigung der Völker und für die Versöhnung der Ideen. Die Möglichkeit, der Entfesselung eines Krieges wirksam entgegenzutreten, hat meines Erachtens nach unter den gegenwärtigen Verhältnissen allein eine geeinte Arbeiterschaft der ganzen Welt durch das Mittel des Generalstreikes in allen Ländern. Würde sie diesen schlagartig durchführen, würde sie damit nicht nur sich ein unvergängliches Verdienst um die gesamte Menschheit erwerben, sondern auch das moralische Recht auf die Führung derselben.



Hellmuth Bergmann wusste nichts von seiner Wahl zum Friedensrat, er war an diesem Tag in Hallstatt und hielt Konfirmation. Er erfuhr dabei aus der Zeitung "Neue Zeit".

Im Juni 1950 fand im Wiener Konzerthaus der "Erste österreichische Friedenskongress" statt. Auf diesem Kongress werden 42 Frauen und Männer zum Friedensrät*innen gewählt. Pfarrer Hellmuth Bergmann war einer von ihnen. Ich zitiere von der Webseite der

Die damaligen Aktionen für den Frieden erhoben Forderungen, denen noch immer höchste Aktualität und Dringlichkeit zukommt. Damit ein Atomkrieg verlässlich und dauerhaft verhindert wird, müssen weitere Schritte zur atomaren Abrüstung und schliesslich das vollständige Verbot von Atomwaffen durch einen internationalen Vertrag und durch strenge Kontrolle seiner Einhaltung erreicht werden. Die Friedensbewegung , die sich damals für dieses Ziel einsetzte, wurde mit Verleumdungen, Hass und Polizeimaßnahmen bekämpft. Heute wagt es aber keine Regierung und kaum eine politische Kraft, offen gegen dieses Ziel aufzutreten. Nun wird nicht bestritten, dass Atomwaffenabrüstung eine historische Aufgabe der internationalen Gemeinschaft darstellt. Dieser Wandel ist als moralisch-politische Errungenschaft der vor einem halben Jahrhundert entstandenen Bewegung gegen die Atomwaffenrüstung anzusehen.




In besonders feierlicher Weise wurde durch Erheben von den Sitzen ein Manifest des Ersten Österreichischen Friedenskongresses an die österreichische Bevölkerung angenommen in dem alle Mütter, Frauen und Män­ner aufgerufen werden, sich in die große österreichische Friedensbewegung einzureihen, die zu einer Volksbewegung geworden ist, überall aus Männern und Frauen aller Poli­tischen Richtungen und Weltanschauungen Friedensräte zu bilden und sich nicht ein­schüchtern zu lassen. Alle Kämpfer und Kämpferinnen für den Frieden werden aufgerufen, die Unterschriftenaktion gegen die Atombombe fortzusetzen und jedem Österreicher immer wieder die Gewissensfrage zu stellen, ob seine Angst vor kleinlichen Schika­nen und Erpressungen größer ist als der Wunsch, etwas zur Rettung der Kinder, der Familien und des Heimatlandes vor einer unausdenkbaren Katastrophe beizu­tragen.

„Wir bekennen uns zur großen Menschheitsidee der Freiheit, aber der Krieg ist das Ende jeder Freiheit. Wer wirklich die Frei­heit will, der muß vor allem den Frieden wollen."

Der Neue Österreichische Friedensrat. Dann erfolgte die Wahl eines gesamtöster­reichischen Friedensrates, dem Vertreter aller Bundesländer und hervorragende Persönlich­keiten des kulturellen und öffentlichen Lebens angehören, unter anderen Pfarrer Erwin Köck, die Olympiasiegerin Herma Bauma, Pfarrer Hellmuth Bergmann aus Hall­statt, die Schriftsteller Arnold Bronnen- Franz Theodor Czokor und Richard Zeltner- die Professoren Dobretsberger, Strebinger, Thirring, Widowitz, Dozent Broda, Nationalrat Ernst Fischer. Primarius Dr. Scholl, die Rechtsanwälte Dr. Schönfeld und Doktor Helene Legradi, Primarius Dr. Lans­egger, der Bürgermeister von Eisenstadt Prof. Franz Elek, der Vizepräsident des Gewerkschaftsbundes Gottlieb Fiala und Dr. Matejka.



Frithjof Bergmann ging im Jänner 1950 in die USA.Christa geht 1951 in Portland (Oregon).Wilfried fährt am 5. Oktober 1951 nach Portland.Ingeborg, Klaus und Else gehen 1952 in die USA.Hellmuth plant auch auszuwandern.

1953 gab es in Goisern viel Aufregung über eine Predigt von Pfarrer Bergmann.

Es ging darum den Antisemitismus zu überwinden. In Hallstatt wurde die selbe Predigt verstanden. Vielleicht weil die Hallstätter das Leiden der Familie aus nächster Nähe mitbekommen haben.


1955 engagierte sich Hellmuth Bergmann für die Zeitschrift "Judaica". Wo er sich für die Gemeinsamkeit von Juden und Christen einsetzte.



Ein Freund Bergmanns war Erwin Kockein sehr widerständiger Pfarrer.

Er setzte sich aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus ein.

Sein Einsatz gegen das mörderische totalitäre NS-Regime darf in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Österreich nicht vergessen werden.


Monika Salzer ist eine österreichische Systemische Psychotherapeutin, evangelische Theologin, Pfarrerin i. R. und Autorin. Bekannt ist sie auch als Gründerin der zivilgesellschaftlichen Plattform OMAS GEGEN RECHTS.

(aus Wikipedia)




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