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Der Kampf um den Dachstein

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Das Wiesberghaus schützte auch vor Anpöbeleien der Hackenkreuzler.



In den 1920er Jahren übernahm die Wiener Sektion „Austria“ des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins eine bedauerliche Vorreiterrolle bei der antisemitischen Ausgrenzung. 1921 wurde dort der „Arierparagraph“ eingeführt, der jüdische Mitglieder ausschloss.

Dies führte zum Austritt tausender Bergsteiger und zur Gründung der alternativen Sektion Donauland.

Die Simonyhütte, Austriahütte, Guttenberghaus, Brünnerhütte und die Adamekhütte waren zu jener Zeit die Hütten der Sektion Austria am Dachstein.

Die Mitglieder der Sektion Donauland genossen in den Schutzhütten keinerlei Begünstigungen mehr. ***

Weitere Vergünstigungen als Mitglied im Alpenverein waren Ermäßigungen bei den Zugfahrkarten und bei der Hallstätter Schifffahrt.




Der Begriff „Arier“ stammt ursprünglich aus der Sprachwissenschaft und bezeichnete Volksgruppen mit verwandten Sprachen in Europa und Teilen Asiens. Später wurde das Wort jedoch ideologisch umgedeutet. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert stellten einige Gelehrte die falsche Theorie einer angeblich überlegenen „arischen Rasse“ auf. Die Nationalsozialisten griffen diese Vorstellung auf, erklärten Deutsche zur „arischen Rasse“ und bezeichneten Juden, Schwarze sowie Roma und Sinti als „Nichtarier“.

Das Beispiel zeigt, wie neutrale Begriffe für politische und rassistische Ideologien missbraucht werden können. Tatsächlich sind Arier keine Rasse, und eine „arische Herrenrasse“ hat nie existiert.

In dieser kleinen Broschüre von 2024 wird die Geschichte der Sektion Donauland erzählt:


Hier stellt sich der Alpenverein offen und aktiv gegen Intoleranz, Hass Antisemitismus und Rassismus. Wir engagieren uns für Akzeptanz, Offenheit und Vielfalt. Heute, morgen, hier und überall.  
Deutscher Alpenverein, Österreichischer Alpenverein, Alpenverein Südtirol

Die Geschichte der Sektion Donauland von der Webseite des Österreichischen Alpenvereins.



Das am 30. Juli 1919 erlassene Arbeiter-Urlaubsgesetz, das Teil der bekannten Hanusch-Gesetze war, stellte einen bedeutenden Fortschritt in der österreichischen Sozialgeschichte dar. Zum ersten Mal erhielten Arbeiter nach einem Jahr ununterbrochener Betriebszugehörigkeit einen gesetzlichen Anspruch auf eine Woche (6 bis 8 Werktage) bezahlten Urlaub. Auch der 8 Stunden Arbeitstag war Teil dieser Gesetze.


Die Naturfreunde Ortsgruppe Hallstatt wurde am 18. Mai 1922 gegründet.

Tagblatt 27. Mai 1922
Samstag den 18. Mai fand in Hallstatt die Gründung einer Ortsgruppe des Arbeiter-Touristenvereines „Die Naturfreunde" statt. Genosse Roman Pilz begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Genossen und gab der Freude Ausdruck, daß auch in Hallstatt die Naturfreunde Bewegung Fuß gefaßt hat. Er erteilte hieraus dem Gauobmann Genossen Wick aus Linz das Wort, welcher in ausführlicher Weise den Wert der Naturfreunde-Bewegung in Arbeiterkreisen schilderte. Sein einstündiges Referat wurde beifälligst aufgenommen, was darin zum Ausdruck kam, daß sich gleich 64 Genossen als Mitglieder eintragen ließen. 

Das Wahlresultat war folgendes: Obmann Roman Pilz, Schriftführer Schiefer Viktor, Kassier Spitzer Josef, deren Stellvertreter, die Kontrolle usw.

Nachdem die Grün­dung vollzogen war, wünschte Genosse Wick der neuen Orts­gruppe den besten Erfolg und forderte alle auf, dem großen Verbande der Arbeiter-Touristen treu zu bleiben, so daß der Gau von Oberösterreich ein gedeihliches Zusammenwirken aufweisen kann. Genosse Edlinger beglückwünschte im Namen der Lokalorganisation, Genosse Maier im Namen der Gemeinde, desgleichen auch im Namen der Kinderfreunde und Genosse Pilz Johann im Namen der Arbeiter-Radfahrer die neugegründete Ortsgruppe, worauf mit einem kräftigen "Berg frei!" die würdig verlaufene Versammlung geschlossen wurde.
27. Juni 1923 wurde der Bauplatz für das Wiesberghaus angewiesen.
Der Abend 
war eine österreichische, sozialistisch-pazifistische Tageszeitung.

Der Abend 27. November 1923
Touristik und Wintersport. 
Zum Bau der Naturfreunde-Hütte am Dachstein 

Wie wir unlängst berichtet haben, befindet sich unter den im Bau befindlichen Hütten der Naturfreunde auch eine in der Dachsteingruppe. Diesem von den Ortsgruppen Floridsdorf und Hallstatt gemeinsam ausgeführten Bau kommt große prinzipielle Wichtigkeit zu. 

Die Dachsteingruppe wird von der Hakenkreuzler-Sektion „Austria" beherrscht, denn alle dort befindlichen Hütten sind im Besitze dieser Ver­einigung. Ihre jetzige großdeutsche Leitung begnügte sich nicht bloß damit, Juden und Sozialdemokraten aus ihrer Mitte zu entfernen, sondern sie trachtete auch, von ihrem Arbeitsgebiet womöglich Besuche von Juden und Naturfreunden fernzuhalten. 

Dies schien nach der auf ihr Betreiben erfolgten Aufhebung der Hüttenbegünstigungen für Verbandsvereine tatsächlich der Fall zu sein. Durch diese Kündigung entfiel für die Naturfreunde jede Rücksichtnahme auf die Arbeits­gebiete der Alpenvereinssektionen. 

Der Hüttenbau der Natur­freunde beseitigt zur Wut der Herren Pichl und Genossen die Alleinherrschaft der Sektion Austria im herrlichen Dachsteingebiet. Nach Fertigstellung des Baues wird es für alle anständigen Menschen wieder möglich sein, das Dachsteingebiet zu besuchen, da kein Zwang mehr bestehen wird, in der Simonyhütte zu nächtigen. 

Hoffentlich gelingt es den Naturfreunden, an der Südseite des Dachsteinstockes ebenfalls einen Bauplatz zu bekommen, so daß auch von Süden aus eine Überschreitung des Dachsteinplateaus ohne Be­rührung einer Hütte der Sektion Austria möglich sein wird.

Eduard Pichl (1872–1955) war ein österreichischer Bergsteiger.

Als überzeugter Antisemit setzte er bereits 1921 in der Sektion Austria und später im gesamten Deutschen und Österreichischen Alpenverein den Arierparagraphen durch – lange vor der NS-Machtergreifung in Deutschland.

Eduard Pichl wurde am 20. März 1955 in Bad Goisern begraben.



Das Wiesberghaus war vom Anfang an als Rettungsstation gedacht?
Tagblatt 19. Juli 1923
„Naturfreunde"-Bewegung Hallstatt. 
Bei der heurigen Gaukonferenz in Lambach wurden von nachstehenden Ortsgruppen Spenden für den weiteren Ausbau der Rettungsstation Hallstatt gegeben: 
Militärsektion Linz 50.000 K. (2. Spende); Ortsgruppe Ottensheim 20.000 K; Bad Jschl 100.000 K; Traunfall 25.000 K; Gmunden 19.000 K (von einem Sportgenossen); Lambach 30.000 K; Wels 20.000 K; und Sektion „Enzian" Linz 10.000 K. 
Diese Spenden sind von den Delegierten an den Obmann Roman Pilz übergeben worden. Dieser spricht nochmals im Namen der Ortsgruppe Hallstatt den besten Dank aus. Berg frei!

Am 11. November 1923 eröffnete die Bauhütte am Wiesberg. Auch eine Naturfreunde-Talherberge wurde gebaut, welche von einigen Hallstätter Gastwirten bekämpft wurde.
Die Talherberge bestand zwischen 1923 bis 1927. Dann bot der Arbeiterkonsumverein billige Zimmer an.

Tagblatt 20. Juni 1923
Turnen und Sport. 
An alle Arbeiter-Sportvereine und -Touristen Oberösterreichs!  
Die Ortsgruppe Hallstatt der „Naturfreunde" hat mit, 16. Juni eine Touristenherberge mit 12 Schlafstätten errichtet. Sie ist ungefähr 10 Minuten von der Schiffs-Landungsstelle entfernt und liegt am Weg zum Dachsteinaufstieg. Es ergeht an alle Naturfreunde und Sportkollegen die Aufforderung, bei einem Aufenthalt in Hallstatt sich dieser Herberge zu bedienen Bei größeren Gesellschaftsausflügen sind Anmel­dungen 8 Tage zuvor an den Ortsgruppenobmann Genossen Roman Pilz erwünscht. Auf Grund der „Naturfreunde"-Mitgliedskarte erhalten Herbergsbesucher eine namhafte Begün­stigung. In der Herberge wird auch das Frühstück verabreicht. 
Berg frei!
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Oberösterreichisches Tagblatt Dezember 1923
Das Tagblatt („Organ für die Interessen des werktätigen Volkes“) war eine sozialdemokratische Tageszeitung.

Tagblatt 22. Dezember 1923
Fortschritte der Naturfreunde in Hallstatt.
Man schreibt uns von dort:
Vor kurzem berichtete das Linzer Tagblatt vom Naturfreunde Hausbau der Ortsgruppe Floridsdorf und Hallstatt im Dachsteingebiet am Wiesberg.

Da ist noch nachzutragen, dass am 11. November die Nothütte eröffnet wurde. Eine ansehnliche Schar von Naturfreunden, auch Floridsdorfer und andere Wiener Naturfreunde fehlten nicht und begrüßten das schmucke Häuschen, das in kurzer Zeit von opferwilligen Arbeitshänden hergestellt wurde. 

Für 20 Personen ist es eingerichtet zum Übernachten. 
Nun ist man endlich aller Sorge enthoben. 

Auch das Rettungsmate­rial hat seinen Platz, denn das war auch immer eine Sorge, obwohl man niemals einen Unterschied machte und auch weiterhin nicht machen wird, wenn ein verunglückter Tourist zu Tal zu befördern ist, was in Hallstatt mit großen Opfern verbunden ist. 

Wie man weiß, gelang es ja der Sektion Austria durch den Arier-Paragraphen, den Großteil den­kender Arbeiter hinaus zu drängen, was man auch in der Alpenvereinssektion Hallstatt sehr begrüßte , aber man war deswegen nicht verlegen und man kann mit dem Fortschritt, den die junge Ortsgruppe des Touristenvereines „Naturfreunde" Hallstatt in der kurzen Zeit gemacht hat, ganz zufrieden sein. 

Auch eine Talherberge besitzt diese Ortsgruppe, über welche man hier eine kurze Geschichte berichten kann, wie man ein Werk, das jedem Touristen zugute kommt, von bürgerlicher, Seite drosselt. Einige Gastwirte, welche zum größten Teile von der Arbeiterschaft abhängen, traten mit allen erdenklichen Mitteln gegen diese Herberge auf. 

Interessant ist, daß die Alpenvereinssektion schon früher eine Herberge einrichtete in einem Gebäude, wo noch dazu eine ganz  ansehnliche Wohnung wäre, aber da hatte man bis heute nichts zu sagen, auch ist sie, im Winter im Betrieb, was für die „Naturfreunde"-Herberge. nicht möglich wäre. 

Besonders dagegen war ein würdiger Herr in der Gemeindeausschusssitzung, wahrscheinlich auch im Interesse des Alpenvereines, da er doch da auch im Ausschuß seinen Sitz hat. Aber gegen unsere sozialdemokratische Mehrheit konnte man nicht aufkommen, nicht nur in Hallstatt, sondern auch weiter hinaus sagt man, es wäre für diesen würdigen Herrn besser, sich das neuntem Gebot genau durchzulesen.

Auf dem Dachstein. Von Karl ADLER, Wien.

Eine kurze Geschichte über eine Bergtour mit übernachtung in der Tiergartenhütte.




1924 wurde die "Sektion" Donauland aus dem Alpenverein ausgeschlossen. Es wurde der "Alpenverein" Donauland gegründet.

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Der Ingrimm unserer Feinde.
Der Naturfreund: Text 1924
Von Josef Anfried, Floridsdorf.
Der Ingrimm unserer Feinde. Bekanntlich bauen die beiden Ortsgruppen der Naturfreunde Wien-Floridsdorf und Hallslatt eine Schutzhütte auf dem Dachstein, ein Unternehmen, das vollständig ­auf Solidarität und Idealismus der Arbeiter aufgebaut ist.  Die Bauhütte ist vollendet und dient den aus Wien, Hallstatt und anderen Orten erscheinenden Arbeitspartien als Unterkunft.  Die Vorarbeiten gehen rüstig vorwärts, so daß in nicht allzu weiter Ferne das eigentliche Naturfreundehaus am Wiesberg auf dem Dachstein fertiggestellt sein wird. Daß bei derartigen Unternehmungen vielfach auf die Unterstützung durch alle Touristen und Bergfreunde gerechnet wird, ist klar.  So ist es auch bis nun in unserem Falle, denn auch hier gibt es Arbeiten, die nicht besonders entlohnt werden können; man ersucht alle des Weges kommenden Bergfreunde, bei ihrem Aufstieg zum Dachstein einige Schindel für das Naturfreundehaus mitzunehmen, und es muß festgestellt werden, daß es genug anständige Menschen in den bürgerlichen Alpenvereinen gibt, die sich nicht lange bitten lassen und ohne viel Geschrei davon zu machen oft ganz ansehnliche Packs Schindeln oder Bretter bei der Bauhütte am Wiesberg abgeben.  Diese Tatsache scheint aber einen nationalen Helden in Angst versetzt zu haben, der wahrscheinlich glaubte, er könne den Bau des Naturfreundehauses dadurch aufhalten, daß er einen Aufruf an die arischen Arbeiter richtete und die Tafel der Naturfreunde, auf der die Bitte, Schindel mitzunehmen, verzeichnet war, vernichtete.   

Am 10. September 1924 würde von einem Naturfreund am Ort, an dem die Schindel lagen, folgender Aufruf vorgefunden: „Arische Arbeiter! Baut den Juden keine Hütten!“ 
Dagegen war jene Tafel mit dem Ersuchen, von den Schindeln mitzunehmen, verschwunden. Ein solches Stückerl kann nur ein Mensch gemacht haben, der den Arbeitern weit, weit fernsteht, der mit ihnen nichts zu tun hat, denn sonst müßte er wissen, daß sich der Arbeiter in den Hütten der Gegner nicht wohl fühlen kann, daß er dort als Mensch zweiter Sorte behandelt wird und es für ihn nur zwei Möglichkeiten gibt, entweder eigene Hütten zu bauen oder auf den Bergsport zu verzichten. Das eine möge sich der unbekannte Arier gesagt sein lassen; die Arbeiterschaft wird auf den Bergsport nicht verzichten, sie will in Frieden die Berge genießen; sie wird eigene Hütten bauen, damit auch die arischen Arbeiter nicht gezwungen sein werden, in den vom Judengeld erbauten Schutzhütten zu übernachten. Schließlich sei noch daran er erinnert, daß das Auswechseln von Tafeln nicht ganz ungefährlich ist und daß es nicht immer ohne schmerzliche Begleiterscheinungen gelingen dürfte. 

Linzer Tages Post 13. Juni 1924
Die Alpenvereins-Talherberge in Hallstatt, im alten Bräuhaus, mit einem Belegraum von 14 Betten kann auch dieses Jahr von Mitgliedern des D.u.Oe. A.V. benützt werden. Gebür pro Bett 8.000 K 
In der Ausschußsitzung vom 24. Mai letzten Jahres hat die Leitung beschlossen, die Benützung der Talunterkunft auch den Mitgliedern des Oe.A.K., D.T.K. und De.G.B. bei gleichem Preise zu gestatten.

Arbeiter Zeitung 28. August 1924
Hofpürglhütte
Statt des Edelweiß das Hakenkreuz.
Dieses Bild zeigt, auf welche Wege der Deutsche und Österreichische Alpenverein geraten ist. Es ist so weit mit ihm gekommen, daß von seinen Hütten den Berg­ wanderer nicht mehr, wie einst, das Edelweiß grüßt, sondern das Hakenkreuz entgegenstarrt. 

Die Hofpürglhütte der Sekion Linz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines auf dem Dachstein war ehemals für jeden Touristen, der nach stundenlanger Wanderung Unterkunft suchte, ein gastlicher Aufenthalt. Heute trägt sie an der Tür ein riesiges Hakenkreuz, das nicht etwa auf Papier gemalt ist, sondern mit Ölfarbe hergestellt ist, wohl damit es möglichst untrüglich als neues Symbol des Vereines wirke. 

Der Bergwanderer, der sich der Hütte nähert, erkennt schon auf Entfernung, daß er, wenn es den Hakenkreuzlern nicht gefällt, in dieser Schutzhütte entweder nicht die ersehnte Unterkunft findet oder zumindest mit scheelen Augen angesehen wird. 

Dabei sind es just die Leute, die solche Unfreiheit in die freien Berge tragen, die den Arbeitertouristen­verein Naturfreunde beschuldigen, er sei es, der auf den Bergesgipfeln Politik treibe. Das Bild der Hofpürglhütte zeigt zur Genüge, wer es in Wirklichkeit ist, der die Schutzhütten zu Stätten politischer Auseinander­setzungen umgestaltet. Das Wort „völkisch" habe in Österreich keine politische Bedeutung, daher sei die völkische Betätigung im Alpenverein als unpolitisch aufzufassen, verkündeten die Hakenkreuzler in der letzten Hauptversammlung des Alpenvereines. Was für ein verlogener Schwindel diese Behauptung ist, und wie sie in der Praxis ausschaut, das beweisen die Hakenkreuzlerischen Umtriebe auf den Bergen. 

Die Hofpürglhütte ist es nicht allein, die hakenkreuzlerisch bekleckst ist. Es gibt auch noch verschiedene andere sogenannte Schutz Hütten des Alpenvereines, die an Tür und Wand der Unkultur, die jetzt in diesem Verein so üppig gedeiht schmachvoll Ausdruck gibt.

Von den Naturfreunden wurde versucht Geld durch Veranstaltungen wie einem Kränzchen im Weißen Lamm zu beschaffen.

(Linzer) Tages-Post 20. Februar 1924 
(Faschingsunterhaltungen in Hallstatt.)  Am 16. d. M. wurde in Hallstatt im Gasthause „zur neuen Welt" ein Ball der Gewerbetreibenden und am 17. d. M. im Gasthaus „zum weißen Lamm" ein Kränzchen der Ortsgruppe Hallstatt der „Naturfreunde" abgehalten, die beide gut besucht waren. 

Der Reinertrag des ersteren war für die Ortsarmen bestimmt. Ein reichhaltiger Glückshafen, ausgestattet mit schönsn Besten, sorgte für ein günstiges Reinerträgnis. Auf beiden Veranstaltungen herrschte rege Tanzlust. Die Veranstalter und Besucher dürf­ten vollauf zufrieden sein.

Es gab ermäßigte Fahrkarten bei der Bahn für die Naturfreunde.


Gasthof Dachsteinwarte wird in der Nazizeitung "Der eiserne Besen" mehrmals in der Kolumne "Der Pranger" erwähnt, weil er seine Pforten dem jüdischen Leserkreis "Der Stunde" geöffnet hat.

Hier die Anzeigen:

Die Stunde 24. April 1924
Die Stunde 29. Mai 1924
Gasthof „Zur Dachsteinwarte".  Unterkunft für 10 Personen. Wohnung und Verpflegung K 40.000. Mittagessen 19.000, Abendessen K 8000. Wohnungssteuer 30%. Höhenlage 505 Meter. Angenehmes Klima. Fischerei, Ruder- und Schwimmsport im See.  Wöchent­lich zweimal Platzmusik oder Konzert am See.

Auch der Seewirt hatte dort inseriert. Stand aber nicht auf dem Pranger. Höplinger war sehr antimarxistisch eingestellt.


Die Stunde 10. Mai 1924
Die Stunde 14. Mai 1925

Höplingers Gasthof „Zum Seewirt". Logis für 40 bis 50 Personen. Zimmer und Verpfle­gung K 45.000 bis 50.000 por Tag und Per­son. Fremdenabgabe heuer noch unbestimmt; im vorigen Jahre K 2000. Arzt und Apothekeim Orte  Abends Musik am See. Gasthof Höplinger „Zum Seewirt", 
Hallstatt







Arbeiter Zeitung 6. August 1925
Der Touristenverein Die Naturfreunde Hallstatt ersucht die Touristen, die eine Partie auf den Dachstein machen, von der Talherberge bis zur Bauhütte auf dem Wiesberg, die auf demselben Wege liegt, einen Ziegel mitzunehmen, damit wir mit unserem Hausbau, der von großer Wichtigkeit ist, rascher vorwärts kommen.

Die Floridsdorfer veranstalteten Theaterstücke im Konsumverein. Sie sammelten auch Gewand für arme Hallstätter Familien.
Tagblatt 21. November 1925
Hallstatt. Theatervorstellung. 
Die Arbeiterbühne von Bad Aussee gab am 7. November abends im Konzertsaale des Arbeiter-Konsumvereines ein Gastspiel „Der Nar­renzettel". heiteres Spiel in drei Akten von I. Pohl. Der Reingewinn floß der Ortsgruppe Hallstatt des Vereines „Freie Schule-Kinderfreunde" zu. Die Arbeiterschaft von Bad Aussee kann stolz sein auf die Leistungen ihrer Theater­gruppe. Sie erledigte sich glänzend ihrer Aufgabe. 

Die Be­sucher dieser Vorstellung gewannen den besten Eindruck. Die Darsteller beherrschten ihre Rollen und haben lobenswerte Szenen auf die Bretter gezaubert. Die stimmungsvolle Musik zur Vorstellung besorgte mit einem Quartett Kapellmeister Gen. Pilz aus Hallstatt. Der Saal war voll besetzt und jeder Besucher verbrachte angenehme Stunden.  Erfreulicher­weise waren es größtenteils jüngere Leute, die Interesse an der Theatervorstellung zeigten. 

Hallstatt hat überhaupt eine theaterfreundliche Bevölkerung und es wäre zu erwägen, ob es in Hallstatt nicht möglich ist, diesem Teile der Volksbil­dung durch Gründung einer Arbeiterbühne Rechnung zu tragen.— 

Voranzeige. Die Arbeiterbühne von Floridsdorf gibt in Hallstatt im Konzertsaale des Arbeiter-Konsumvereines zwei Vorstellungen, und zwar: am Sams­tag, 14. November, halb 8 Uhr abends, „Familie Schimek", Schwank in 3 Akten von G. Kadelburg.— Sonntag, 18. No­vember, halb 6 Uhr abends, „Der Bauernphilosoph", Le­bensbild (Konrad Deubler) in 4 Akten von Ferd. Hanusch. 

Der Reingewinn fließt dem Naturfreunde-Hüttenbaufonds zur Fertigstellung des Naturfreundehauses am Wiesberg und dem Rettungswesen bei alpinen Unfällen zu. Karten im Vorverkauf sind bei Gen. Posch im Arbeiter-Konsumverein zu haben. Näheres die Plakate.
Der Sozialreformer Ferdinand Hanusch hat ein Theaterstück über Konrad Deubler geschrieben.

Ob 8-Stundentag oder Unterstützung für arbeitslose Menschen, ob Verbot von Kinderarbeit, Karenz für Gebärende oder das Betriebsräte- und Arbeiterkammergesetz:

Ferdinand Hanusch war ein großer Sozialreformer. 

Webseite der Arbeiterkammer



Die Chronik und die Bibliothek des Arbeiter Bildungs- und Konsumvereines dürfte 1934 vernichtet worden sein.

Sie befand sich im Haus des Konsumvereines gegenüber der evangelischen Kirche.

Falls die Chronik vielleicht wieder einmal auftaucht, es muss ein sehr umfangreiches Buch sein, wäre das eine richtig große Sensation.


Tagblatt 30. März 1926
Hallstatt. Arbeiter-Bildungsverein. 

Sonn­tag, 14. d. M., fand unter Vorsitz des Obmannes Bartl Gamsjäger die Jahresversammlung des Arbeiter- Bildungsvereines statt. 

Der geschäftliche Teil gab Kennt­nis von dem Wirken des Vereines und wurde in befriedigender Weise erledigt. Die Neuwahl ergab die Wiederwahl des abgetretenen Ausschusses. Umfassend beschäftigten sich die Funktionäre mit der Erhaltung der Bibliothek, die reich ge­worden ist an wissenschaftlicher Lektüre und eine große Aus­wahl Bücher zur Unterhaltung besitzt. Der Hauptzweck des Vereines ist, den geistigen Gesichtskreis der arbeitenden Menschen zu erweitern, und macht deshalb seine Bibliothek mit ihrer geringen Ausleihegebühr allgemein zugänglich. Nach wechselvoller Debatte über die Entfaltung des Ver­eines wird beantragt und beschlossen, die Chronik, geführt vom Mitglied Fritz Moser, in Zukunft in jeder Jahresver­sammlung des Vereines zur Verlesung zu bringen.

Download der Festschrift:

Zur Erinnerung an den 60jährigen Bestand des Arbeiter-Bildungsvereines Hallstatt.

Aus der Oberösterreichischen Landesbibliothek.


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Meidt's de Dachstoa-Hittn
Wiener Morgenzeitung 1. Juni 1926
Meidet die Dachsteinhütten! 
In der letzten Zeit wird wieder die Reklametrommel für das Dachsteingebiet sehr rührig geschlagen. In allen Tonarten werden die Schönheiten des Dachsteins gepriesen, um ja einen möglichst großen Zuzug von Touristen hinzubringen. 
Trotzdem ist es dem jüdischen Touristen nicht zu raten, das Dachsteingebiet aufzusuchen. 

Die berüchtigte Sektion „Austria" des deutschösterreichischen Alpenvereins, der seine Hauptaufgabe in antisemitischer Hetzpropaganda sieht, hat auf dem Dachstein fünf Hütten, derer Geschäftsgang sehr viel zu wünschen übrig läßt.
In diesen Hütten prangen die bekannten Zettel, "Juden sind hier nicht erwünscht." 
Obzwar zur Errichtung dieser Hütten viel jüdisches Geld zusammengeschnorrt wurde.

Während der Kämpfe um den Arierparagraphen im Alpenverein waren die Hütten der Austria auf den Dachstein sehr stark besucht. Jetzt scheint dieser Berg allmählich bei den Hakenkreuzlern aus der Mode zu kommen. 

Nun sollen andere auf den Dachstein gelockt werden, damit die Austria-Hütten wieder ein Geschäft machen können. Es wäre mit der jüdischen Würde unvereinbar, diese Hütten aufzusuchen. In Oesterreich sind hinreichend schöne Berge vorhanden, die ausgesucht werden können. Das Eldorado der hakenkrenzlerischen Austria kann hübsch bei Seite gelassen werden. 

Schon jetzt hat die Austria schwer zu kämpfen, um ihre Hütten zuhalten. Es ist nicht notwendig, ihr den Kampf zuerleichtern. Abgesehen davon gehören die Dachsteinhütten der Austria lange nicht zu den besten des Alpengebietes. Sie sind von der Sektion stark vernachlässigt, weil die entsprechenden Geldmittel fehlen. 

Wenn schon jemand unbedingt den Dachstein aufsuchen will, so möge er sich gedulden, bis andere Vereine dort ihre Hütten errichten werden. Im übrigen kann auch jeder halbwegs geübte Tourist den Dachstein leicht in einem Tage nehmen. 

Das Beste aber ist, die Herren der Sektion Austria mit ihren verschiedentlichen Hüttenwarten und ihren teueren Nächtigungsgebühren hübsch unter sich zu lassen. Es ist nicht notwendig, die Gastfreundschaft von Leuten in Anspruch zu nehmen, die wohl gerne jüdisches Geld haben möchten, andererseits aber ihrem Antisemitismus freien Lauf lassen.

10. Juli 1927 Das Wiesberghaus wird eröffnet. Ca. 1500 Naturfreunde fanden sich ein.

Der Naturfreund: Text 1927   Diesen Bericht von Josef Anfried über den Hausbau und die Eröffnung wurde hier schon veröffentlicht.  >>>
Der Naturfreund: Text 1927  Diesen Bericht von Josef Anfried über den Hausbau und die Eröffnung wurde hier schon veröffentlicht. >>>

Arbeiterwille 18. Juni 1927
Graz. Touristenverein „Die Naturfrenude". 
Die Ortsgruppen Hallstatt und Floridsdorf eröffnen am Sonntag den 10. Juli das neuerbaute „Natur­freunde'-Haus am Dachstein. Mitglieder, die Inter­esse an einer gemeinsamen Partie zur Eröffnungsfeier mit eventuell anschließender Bergtour haben, wollen ihre Anmeldung innerhalb acht Tagen in der Vereinskanzlei oder im Sporthaus Hofer. Sackstraße Nr. 25. abgeben.
 

Salzburger Wacht 5. Juli 1927

* Neue Naturfreundehäuser. 

Der heurige Sommer bringt eine reiche Ernte an neuen Naturfreundehäusern.
Am 10. Juli wird der Zu­bau zum Natürfreundehaus auf dem „Liasenhördl" bei Hainfeld eröffnet. 

Am selben Tage übergeben die wackeren Ortsgruppen Florids­dorf und Hallstatt ihre Schutzhütte auf dem Dachstein „Wiesberghöh" der Allgemeinheit. Diesem neuen Haus kommt ganz besondere Be­deutung zu. 

Am 14. August wird das Haus der Ortsgruppe Gmunden auf dem Traunstein er­öffnet wenden. 
Eine Woche später, am 21. Au­gust erfolgt die feierliche Weihe des Naturfreundehauses in Kolm-Saigurn. 
Bekanntlich haben die Naturfreunde, die Ortsgruppe Wien, große Gebietserwerbungsn in der Goldberg-Sonnblickgruppe durchgeführt. 
In Kolm- Saigurn, dem Endpunkt des Raurissrtalss, steht das große alte Gebäude des Herrenhauses, wo ehemals die Betriebsleitung des uralten Goldbergbaues ihren Sitz hatte. Aus diesem Gebäude wurde nun das neue Naturfreundehaus, das 100 Personen Unterkunft gewährt, wobei 64 Betten zur Verfügung, stehen. Elek­trische Beleuchtung wurde eingerichtet. Für gute und billige Verpflegung wird Sorge ge­tragen werden. Herrliche Bergfahrten lassen sich von da aus unternehmen, stolze Dreitau­sender reihen sich im Kranze der Tauern. Doch auch als Ferienheim soll das Haus vielen Er­holung und Freude bringen.
Am 11. August schließlich wird das neue Wirtschaftsgebäude zum Naturfreundehaus auf der Knofeleben, Schneeberg eröffnet.
Arbeiterwille 6. Juli 1927
Admont. Touristenverein „Die Naturfreunde. Sonntag den 10. Juli Partie zur Hütteneröffnung nach Hallstatt. (Wiesberghütte. Hallstatt, Floridsdorf). 
Abfahrt am Samstag den 9. Juli nach Hall­statt mit dem Personenzug um 15,22 Uhr. Nächtigung in Hallstatt. Führer: Stangl.
Arbeiter Zeitung 7. Juli 1927
Am selben Tage feiern die Ortsgruppen Floridsdorf und Hallstatt die Eröffnung ihres vorbildlichen Werkes, des Natur­ freundehauses auf dem Dachstein (Wiesberghöhe). Gewaltige Opfer an Kraft und Geld waren erforderlich, damit dieses schöne Haus entstehen und mit seiner Errichtung unser Verein im Dachsteingebiet festen Fuß fassen konnte. 

Zur Eröffnungsfeier wird Sonntag ein stattliches Kontingent Wiener Naturfreunde reisen. Es können ab Wien- Westbahnhof folgende Züge benützt werden: 6.30 (Personenzug), 7.30 und 13.30 (Schnellzug). Nächtigung erfolgt in Hall­statt. Sonntag 5 Uhr früh beginnt der Aufstieg zum neuen Hause. Gehzeit von Hallstatt viereinhalb bis fünf Stunden. Montag wird dann im Dachsteingebiet eine Reihe von Partien geführt werden.

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Das Naturfreundehaus auf dem Dachstein.
Der Abend 7. Juli 1927
Das Naturfreundehaus auf dem Dachstein. 
(Hiezu ein Bild auf Seite 8.) 

Die Ortsgruppe Floridsdorf und Hallstatt des Touristenvereines „Die Naturfreunde" haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt, um aus der Wiesberghöhe (1832 Meter) im Dachsteistocke ein Schutzhaus zu errichten. Bestimmend für diesen Entschluss, war nicht nur die Tatsache, dass bei der stetigen Zunahme des Touristenverkehrs in diesem Gebiete die Unterkunftsverhältnisst immer schlechter werden, sondern auch, daß endlich die Monopol­stellung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (Sektion Austria) gebrochen werden musste. Im neuen Naturfreunde­heim werden die Bergsteiger vor hakenkreuzlerischen Anpöbelungen sicher sein! 

Das Haus wird Sonntag, den 10. Juli, eröffnet. Es ist ein Balkenbau aus Lärchenholz, innen getäfelt und enthält 27 Betten und 55 Matratzsnlager, die im Notfalle noch vermehrt werden können, was- als großer Fortschritt zu begrüßen ist. 

Die Bewirtschaftung ist alkoholfrei 

Das Haus bleibt das ganze Jahr geöffnet, weil der Dachstein und besonders das Wiesberggebiet, von Skiläufern stark besucht wird. Übrigens zweigt 20 Minuten oberhalb des Naturfreundehauses ein Weg über die Gjaidalpe zu den Rieseneishöhlen ab. 
Der leichteste Aufstieg zum neuen Hause geht von Hall statt aus, vorbei am berühmten Wasserfalle „Waldbachstrub" und führt in 4 1/2 Gehstunden zu dem inmitten von Alpenrosenfeldern gelegenen Gebäude. 

Die Geschichte dieses Hauses ist nicht alltäglich. 
Ursprünglich in der Zirmgrube, unterhalb des Eissees geplant, mußte der Plan wegen der für „arme Leute" allzu hohen Kosten fallen­ gelassen werden. Nun kam es zu Unterhandlungen mit der Bundes­forstverwaltung Gmunden über den derzeitigen Platz und— das muß anerkannt werden— die freundliche Anerkennung der Nütz­lichkeit führte zu einem dreißigjährigen Pachtverträge und zur Holzabgabe auf den dem Bauplatze zunächst liegenden Staatsforsten. Nun lagen, zwei Wegstunden unterhalb des Bau­platzes, mächtige Lärchenstämme. Die mußten hinaufbefördert werden. Es kostete harte Arbeit! Je 3 bis 5 Mann mußten einen Stamm schleppen, im Winter, bei einer Schneelage von 1 1/2 Metern mit Skiern und Zugseilen. Aber da galt es auch noch 15.000 Schindel, Zementsäcke, Türen, Fensterstücke und 200 Glastafeln, Matratzen, und Decken, ja auch einen Sparherd und den Blitzableiter hinauf zu befördern. 
Und all' dies auf den geduldigen Rücken der Vereinsgenossen! 

Vielleicht steigert sich noch das Verständnis für die freiwilligen Leistungen, wenn man erwähnt, daß die Bienenarbeit einer großen Anzahl der Floridsdorfer Naturfreunde, welche bei diesem Werke ihren Ehrgeiz aufflammen fühlten, umso höher einzu­schätzen ist, als Verzicht auf den Urlaub und Feiertagsausflüge Vorbedingung des zu schaffenden Werkes war. Durch zwei Jahre! Solcher Begeisterung für ein Kulturwerk darf selbst der faulste Kaffeehaussitzer nicht die bewundernde Anerkennung versagen. 

Mit reichlich Geld zu bauen ist wirklich kein Kunststück! 
Nun reiht sich das Dachsteinhaus würdig an die schon bestehenden Naturfreunde­häuser an. Von der Wand der Gaststube blicken die Bild­nisse der Wegbereiter des Alpinismus: Zsigmondy und Purtscheller aus das neue Bergsteigergeschlecht.



Tagblatt 14. Juli 1927
Naturfreunde-Schutzhauseröffnung auf der Wiesbergalpe (Dachstein).

Sonntag, den 10. Juli, wurde in unserem herrlichen Dachsteingebiet das Naturfreundehaus auf der Wiesbergalpe feierlich eröffnet. Schon am Vorabend kamen aus allen Richtungen mit den Zügen viele Hunderte von Naturfreunden nach Hallstatt, deren Zahl man auf 1500 schätzen konnte. Um 4 Uhr früh wurde der Festtag mit Pöllerschüssen verkündet und um 5 Uhr brachen, vom Wetter begünstigt, die Festgäste zum Aufstieg über Tiergartenbrunn auf und nach vierstündiger Wanderung erreichte man das neuerbaute Schutzhaus. Dieses liegt seitwärts auf der Wiesbergalpe, 5 Minuten vom Simonysteig entfernt- auf einem Gipfel mit prachtvoller Aussicht in die ganze Umgebung. Von dort hat man noch eine Stunde bis zur Simonyhütte, von wo aus der weitere Aufstieg über das Karls-Eisfeld auf den Dachstein unternommen werden kann. Die Touristen, die den Dachstein besteigen wollen und am Vortage bis zum Naturfreundehaus kommen, dort nächtigen, können durch dieses Haus. das für uns Naturfreunde geschaffen wurde, den Dachstein in einer weitaus kürzeren Zeit erreichen.  

Am 27. Juni 1923 wurde der Bauplatz angewiesen und am 12. November, am Republiktage, wurde die Bauhütte eröffnet, und von dieser Zeit an begann die mühselige Arbeit des Baues, die die beiden Ortsgruppen Hallstatt und Floridsdorf übernommen hatten. Hallstatt leistete die Bauhilfe, Floridsdorf die finanzielle Mithilfe. Aber nicht allein diese beiden Ortsgruppen, sondern auch der Gau Wien und Oberösterreich hat mit seinen Mitteln und auch sonst mitgeholfen, so dass das prächtige Haus im jetzigen Zustande dem Schutze der Touristen übergeben werden konnte. Das Haus besitzt 83 Belege, davon dreizehn Damen-, 14 Herrenbetten und 55 Matratzenlager, außerdem einen Vorraum, einen Gastraum und eine Küche, ist sehr stattlich und modern ausgestattet.  

Um 12 Uhr mittags begann die Feierlichkeit unter den Klängen der Salinenkapelle und eines Freiheitschores der Arbeiter-Sänger von Hallstatt. Ortsgruppen-Obmann Genosse Höll Leopold (Hallstatt) begrüßte alle erschienenen Festgäste. Genosse Stoijetz (Floridsdorf) gab bekannt, dass vom Nationalrat Genossen Doktor Renner, Lehrer August Wessely, von den Ortsgruppen Hamburg. Nürnberg, Budapest, von den Gauen Vorarlberg, Salzburg, von Tullerbach-Preßbaum, Kirchdorf, Glückwunschschreiben eingelangt seien. Außerdem waren am Platze vertreten Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Genosse Wesenauer (Hallstatt), Bürgermeister Genosse Posch (Gosau), Vizepräsident Genosse Happisch (Wien), die Sektion Hallstatt des Deutsch-österreichischen Alpenvereines durch Herrn Josef Reitter. Die beiden Hauptausschußmitglieder. Bürgermeister Genosse Heißl (Donawitz) und Gauobmann Genosse Wick (Linz), die Genossen Bretschneider (Wien), Gauobmann Genosse Klimek (Mürztal). Gauobmann Genosse Krewalder (Klagenfurt), der Gau Wien durch den Genossen Priesnitz. Weiters die Ortsgruppen Linz-Urfahr, „Bergfreunde" und „Edelweiß" (Linz), Villach, Klagenfurt, Wien, Mürzzuschlag, Leoben. Steyr, Attnang, Passau, Braunau. Breitenschützing, Bad Ischl, Traunkirchen, Enns und noch viele andere Ortsgruppen, die nicht gemeldet waren.  

Vizepräsident Genosse Happisch hielt die Festrede, wies auf das Wirken der gesamten Arbeiter-Touristenbewegung hin und brachte schließlich den Dank zum Ausdruck. Weiters sprachen im Namen des Gaues Wien Genosse Priesnitz, Gau Oberösterreich Genosse Wick, Gau Steiermark Genosse Heißl und beglückwünschten die beiden Ortsgruppen.   

Zum Schlüsse sprach im Namen der Bausektion Genosse Anfried (Floridsdorf) über den ganzen Werdegang des Hausbaues und brachte die geleistete finanzielle Unterstützung in Ziffern zum Ausdruck.  

Nicht allein die Floridsdorfer oder der Gau Wien, sondern auch die oberösterreichischen Ortsgruppen und der Gau Oberösterreich haben den Bau finanziell mit Spenden und Subventionen unterstützt, wenn auch die Ziffern Oberösterreichs vergessen wurden. Genosse Urstöger (Hallstatt) gab im Namen der Bausektion Hallstatt der Freude Ausdruck, dass sich bei diesem Feste so viele Gäste eingefunden haben und sprach allen Mitarbeitern ohne Unterschied der Person den innigsten Dank aus. Das Töchterchen des Genossen Höll brachte einen Prolog zum Vortrag und der Schlüssel wurde feierlichst übergeben. Möge das Haus jedem Besucher zur Freude gereichen, möge jeder Besucher seinen Schutz darin finden.   

Mit dem Lied der Arbeit", mit Gesang und Musik und kräftigem „Berg frei!" wurde das .Haus geöffnet und den Besuchern freigegeben. Damit war die schöne und eindrucksvolle Feier zu Ende.
Bei der Eröffnung verunglückte Karl Kermuz aus Wien, Brigadist des republikanischen Schutzbundes. In Bad Ischl und Ebensee gab es den Republikanischen Schutzbund auch, Jugendordnerformationen waren in jeder Salzkammergutgemeinde geplant.
Arbeiter Zeitung 14. Juli 1927

Das Touristenunglück im Dachsteingebiet.
Wie wir bereits berichtet haben, ist am Tage nach der Eröffnungsfeier des Naturfreundehauses am Dach­stein der Eisenbahner Karl Kermutz verunglückt. Es wird uns dazu noch mitgeteilt: 
Unmittelbar nach der Feier setzte schlechtes Wetter ein, das vierundzwanzig Stunden anhielt. Als Montag mittag eine Besserung eintrat, machten die vielen in der Hütte untergebrachten Leute kleine Ausflüge in die Umgebung. 

Unter diesen waren auch die Naturfreundemitglieder Karl Kermuß, Aichinger und Buchberger, die sich auf den in der Nähe gelegenen Taubenkogel begaben: 

Das Gestein des Taubenkogels ist als brüchig bekannt, besonders jetzt, nach der Artillerieschießübung, die dort vor einiger Zeit abgehalten wurde. Die drei Naturfreunde stiegen von der Ostseite auf und gegen den Westen ab. Ungefähr zwanzig Meter oberhalb des Schuttkegels zieht eine schräge, gefahrlose Rinne herab. In dieser befanden sich um etwa 6 Uhr nachmittags die Touristen. Alle drei mit dem Rücken zur Wand. Aus unerklärlichen Gründen löste sich ober ihnen ein ungefähr hundert Kilogramm schwerer Block und traf den unglücklichen Kermuß auf den Kopf. Buchberger faßte den Stürzenden an der Brust, um ihn zu halten, jedoch vergeblich. Kermuß fiel kopfüber zwei acht bis zehn Meter hohe Wände herab und schleifte noch ein Stück über die Schutthalde in das Taubenkar. Der Tod muß ohne Zweifel sofort eingetreten sein, der Schädel war vollkommen zertrümmert. 

Buchberger rannte schreckensbleich zum Naturfreundehaus, um Hilfe zu holen, und sogleich begab sich eine Gruppe Stadlauer Naturfreunde an die Unfallstelle, zahlreiche andre Naturfreunde kamen, nach. Leider konnte nur noch an die Bergung eines Toten gedacht werden. Mit Hilfe der im Naturfreundehaus befindlichen Rettungsschlitten wurde der Verunglückte zum Hause gebracht. Die Frauen hatten inzwischen Kränze aus Alpenrosen und Enzian gewunden, und Dienstag um 8 Uhr vor­mittags begann die traurige Talfahrt, ungefähr fünfzig Touristen schlossen sich dem traurigen Zug an. Die Leiche des vierzig Jähre alten Kermuß wurde pro­visorisch in der Totenkammer in Hallstatt aufgebahrt und wird nach Wien zur Einäscherung übergeführt werden.
5 Tage nach der Eröffnung des Wiesberghauses, am 15. Juli war Brand des Justizpalastes. In Hallstatt wurde deswegen eine Freidenker-Versammlung abgehalten. Ich vermute Fritz Moser als Author dieses Textes.
Audio cover
Freidenker-Versammlung
Tagblatt 6. September 1927
Hallstatt. Freidenker-Versammlung. 
Das empörte Rechtsgefühl der Massen ist in ihrem Blute erstickt worden. Fünfundachtzig Leichen bedeckten die Wahlstatt und Hunderte von Verwundeten rangen in den Spitälern unter den entsetzlichsten Qualen mit dem Tode. Not und Elend, Angst und Kummer herrschten unter den Angehörigen. Ein Schrei des Entsetzens erfüllte die ganze zivilisierte Welt und das Mitleid von Millionen galt den unschuldigen Opfern. 

Doch unserem Bundeskanzler im Priesterkleide, dem Prälaten Seipel, war es vorbehalten, andere Gefühle gegenüber den Opfern kundzugeben. Seine Parole: „Keine Milde, sondern Vergeltung!" hat in den Herzen und Hirnen von Tausenden nachdrücklichen Widerhall gefunden.

Siebentausendundsiebenundvierzig Personen sind in Wien allein seit dem Blutbad vom 15. Juli aus der katholischen Kirche ausgetreten. Sie protestieren damit gegen eine Kirche, deren prominenter Vertreter statt Liebe Hass, statt Verzeihung Vergeltung und Rache predigt. Der Herr Prälat kennt wohl das Bibelwort: „Wenn dir jemand auf die rechte Backe schlägt, so biete ihm auch die linke dar." Aber bei diesem Anlass scheint er es für geboten zu halten, einem anderen Wort der Bibel zu folgen, dem: „Aug um Aug, Zahn um Zahn." 

Dieses Wort ist zum Kampfruf der herrschenden Klassen geworden, und in ihrem Siegesrausch handeln sie wie jener germanische Feldherr, welcher zum Lösegeld noch sein Schwert in die Wagschale warf, mit der Drohung: „Wehe den Besiegten!" 

Auch wir in Hallstatt wollen den Fehdehandschuh, den Prälat Seipel dem empörten Proletariat ins Antlitz schleuderte, aufnehmen und uns rüsten, den Feind dort zu treffen, wo er am verwundbarsten ist. 

Die Zahlstelle Hallstatt des österr. Freidenkerbundes veranstaltet am Sonntag, den vierten September, halb acht Uhr abends, im Gasthause des Arbeiter-Konsumvereines eine allgemein zugängliche Versammlung mit der Tagesordnung: „Staat und Kirche oder Freidenkertum und Kultur". 

Als Redner spricht der Obmannstellvertreter des Freidenkerbundes Franz Ronzal. Zu dieser Versammlung ist jedermann freundlichst eingeladen und es genießt jeder vollkommene Redefreiheit. An alle Anhänger einer freien Weltanschauung ergeht hiemit der Appell: Besucht diese Versammlung und hört, was euch einer der besten Kämpfer für eine moderne Weltanschauung zu sagen hat. Nehmt teil am Kampf gegen Dummheit und Aberglaube, denn wir wollen es wahrhaben: Wenn auch nach den Worten Schillers gegen die Dummheit selbst Götter vergebens kämpfen, wir Freidenker bezwingen sie doch!

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